100.000 Hektar verwaltet: der Korridor auf Borneo

Indonesien hat 2025 rund 434.000 Hektar Naturwald verloren, das sind 66 Prozent mehr als im Vorjahr, laut einer Satellitenauswertung von Auriga Nusantara. In Kalimantan arbeiten Conservation Action Network (CAN) und Fans for Nature gemeinsam mit der Pelorus Jack Foundation gegen diesen Trend: an einem Korridor, der bestehende Waldgebiete wieder miteinander verbinden soll. Ein Zwischenstand.

Der Orang-Utan auf Borneo ist vom Aussterben bedroht. Sein Lebensraum ist zersplittert, sein Bestand damit in Dutzende voneinander getrennte Teilpopulationen zerfallen. Isolierte Gruppen verarmen genetisch und können sich nur langsam erholen, weil sich Orang-Utans sehr langsam fortpflanzen. Dass Korridore einen Unterschied machen können, zeigt auch die Forschung: Eine Meta-Analyse von 78 Experimenten fand rund 50 Prozent mehr Bewegungen zwischen Flächen, die durch Korridore miteinander verbunden waren (Gilbert-Norton et al. 2010).

Die Flächen, die unsere Partner heute verwalten, umfassen nach eigenen Angaben rund 100.000 Hektar. Bis 2028 könnten weitere 100.000 Hektar hinzukommen, gepachtet für 60 Jahre. Das ist erstmal nur ein Ziel und noch kein bereits gesichertes Ergebnis: Ob die zusätzlichen Flächen hinzukommen, hängt von der Finanzierung ab.

Aber was bedeutet „gesichert“ in Indonesien? Wald in Indonesien ist überwiegend Staatswald; langfristiger Schutz entsteht über verbriefte Nutzungs- und Verwaltungsrechte: etwa Dorfwald-Lizenzen über 35 Jahre, anerkannte Gewohnheitswälder indigener Gemeinschaften oder Konzessionen zur Wiederherstellung von Ökosystemen, die der Staat für 60 Jahre vergibt. Zwischen einer Absichtserklärung, einem Vertrag und dem endgültigen Dekret können Monate oder Jahre liegen. Deshalb weisen wir bereits verwaltete und geplante Flächen getrennt aus, statt sie zu einer großen Zahl zusammenzurechnen.

Parallel dazu läuft die Arbeit vor Ort: Das Camp wird aufgebaut, Ranger werden ausgebildet, Gespräche mit den Dörfern in der Region geführt und am Long Sam Tiere aufgenommen und versorgt. Die Station dort ist aber inzwischen voll belegt. Genau das ist der Engpass: Auswildern lässt sich nur in geschützten Wald mit Platz für zusätzliche Tiere. Jedes aufgenommene Tier hängt damit an der Fläche, um die es beim Korridor geht.

Ein aufgenommenes Tier ist noch kein Erfolg, sondern ein Auftrag. Für die Auswilderung von Menschenaffen gelten die Leitlinien der Weltnaturschutzunion: umfassende Gesundheitsprüfung vor der Freilassung, geeignetes Habitat, danach mindestens ein Jahr Nachbeobachtung (IUCN, Beck et al. 2007). Die Rehabilitation dauert deshalb Jahre.

Fertig ist ein Korridor nicht, wenn die Fläche steht, sondern wenn Tiere ihn nutzen. Daran messen wir das Projekt, und daran dürfen Sie uns messen.

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